Tanz und Gesundheit

Tanz und Gesundheit

Ranke_4Sehr oft werden wir in unseren Stunden für Orientalischen Tanz oder Bollywood Tanz gefragt, ob Tanzen gesund sei, den Körper fitt mache, man dadurch abnehmen könne, es einem helfe, die Haltung zu korrigieren, Menstruationsbeschwerden gelindert würden und vieles, vieles mehr. Um auf diese Fragen eine Antwort geben zu können, muss man sich darüber im Klaren sein,  in welcher Intensität man den Tanz betreiben möchte und vor allem wie er vermittelt wird.

Tanzen ist eine Form von Kunst, in der der Körper das Ausdrucksmittel ist. Wo nun ist die Verbindung zwischen Tanzkunst  und Gesundheit? Die Verbindung findet man in der Bewegung, und jede Form der Bewegung hat Einfluss auf den Körper. Aber nicht nur auf den Körper sondern auch auf die Psyche. Gerade dies ist beim Orientalischen Tanz und Bollywoodtanz von besonderer Bedeutung.

 

Tanz und gesundheitliche Beschwerden
Beim Tanzen findet natürliche eine Aktivierung der Muskulatur statt. Die Muskeln der Beine und des Gesäßes, die Beckenbodenmuskulatur und die Bauchmuskulatur aber auch die Rücken-, Arm- und Schultermuskeln werden angesprochen. Viele Bewegungen können Verspannungen des Rückens und der Schultern lockern. Die Bewegungen des Beckenbodens im Orientalischen Tanz helfen vielen Frauen Menstruationsbeschwerden zu lindern. Das Tanzen fördert Muskeln, die im Alltag oft unentdeckt bleiben. Tanzen unterstützt den Heilungsprozess und wirkt sich positiv aus, es eignet sich aber nicht um ein vorhandenes Problem zu therapieren.

Fitness
Verbessert man durch das Tanzen die Fitness? Geht man davon aus, dass man einmal die Woche 1,5 Stunden tanzt, dann bewegt man sich davon vielleicht effektiv eine Stunde. Je nach Stundenzielsetzung mehr oder weniger. Möchte man nun die Ausdauer schulen, ist dies natürlich nicht ausreichend und auch nicht die geeignete Form. Um die eigene Ausdauer zu verbessern, besonders mit dem häufig gestecktem Ziel abzunehmen, sollte man sich besser eine geeignete Ausdauersportart aussuchen, die man häufiger als ein bis zwei Mal die Woche betreibt und bei der die Herzfrequenz immer im Bereich der Trainingsherzfrequenz bleibt  (z.B. Walking, Inline Skating, Schwimmen, Fahrradfahren).  Natürlich wird durch das Tanzen die Herzfrequenz gesteigert und der Fettstoffwechsel angeregt, dies belegt auch eine Studie der Sporthochschule Köln. Diese bezieht sich jedoch auf Tanz im fortgeschrittenen Stadium und nicht auf das Einüben der Grundbewegungen. Im Orientalischen Tanz haben  z.B. die Schimmybewegungen besonders ausdauernden Charakter. Beim Bollywoodtanz ist der ganze Körper in ständiger Bewegung. Der Basisschritt beinhaltet ein Federn der Beine, werden noch die Schulterbewegungen ausgeführt, so aktiviert man besonders viele Muskelgruppen.

Körperwahrnehmung
Ein sehr wichtiger Aspekt des Tanzes ist die Körperwahrnehmung und Körpererfahrung.
Den eigenen Körper in Bezug zur Gruppe und zum Raum zu erleben, den Zusammenhang zwischen Atmung und Bewegung zu erfahren und die unterschiedlichen Qualitäten einer Bewegung zu spüren, sind Erfahrungen und Ziele, die in jeder Stunde präsent sind.

Große Erfolge kann man besonders durch die Haltungs- und Bewegungsschulung erzielen. Falsche Haltung ist sehr oft die Ursache für viele Probleme. Sie verursacht nicht nur Rücken-, Nacken- und Kopfschmerzen sondern hat auch sehr großen Einfluss auf das psychische Wohlempfinden. Haltungskorrekturen und ein Bewusstmachen von Fehlhaltungen sollten bei einem guten Unterricht vertreten sein. Auf diesem Gebiet sollte unbedingt eine Schulung der Lehrerin erfolgen. Die Haltung ist beim Tanzen von besonderer Bedeutung, denn der Tanz kann nur durch eine aufrechte Haltung und der damit verbundenen Ausstrahlung wirken.

Koordination
Die Koordination ist ein Bereich, der im Tanzen besonders zur Geltung kommt. Der Begriff Koordination beinhaltet sehr viele verschiedene Aspekte und lässt sich muskulär auf zwei Wirkungsweisen zurückführen. Gute Koordination lässt Bewegungen ökonomischer und präziser erfolgen. Man unterscheidet verschiedene koordinative Fähigkeiten z.B. die Reaktions-, Rhythmus- und Gleichgewichtsfähigkeit, die Differenzierungs- und Kopplungsfähigkeit. Diese Fähigkeiten finden sich im Tanzen wieder und werden verbessert. Dass eine Schulung der Rhythmusfähigkeit erfolgt, ist zumeist sehr offensichtlich. Aber auch andere Aspekte z.B. Gleichgewicht und Orientierungsfähigkeit werden beim Tanzen ständig benötigt. Die natürlichen Bewegungsmuster, wie etwa das Mitschwingen der Arme beim Laufen, werden durchbrochen und komplexe Bewegungszusammenhänge erlernt. Die Beine zum Beispiel folgen einem bestimmten Schrittmuster, die Arme werden gegensätzlich dazu bewegt. Hand- und Fingerbewegung sowie Schulterbewegungen ergänzen das Bewegungsbild. Wenn nun noch Kopf- und Augenbewegungen hinzukommen sollen, ist das Chaos perfekt. Dies alles sind Aspekte der Kopplungsfähigkeit. Tanzen ist eine optimale Schulung der Koordination. Besonders beim Unterrichten des Bollywood Tanzes merken wir, wie die Schülerinnen an ihre koordinativen Grenzen stoßen.

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Psychische Komponente
Die bisher beschriebenen Aspekte waren physischer Art, die jedoch zum Teil fließend übergehen in die psychischen Aspekte des Tanzens. Eine aufrechte Körperhaltung zum Beispiel geht einher mit dem Aufbau des Selbstbewusstseins. Sie fördert ein offeneres Gemüt und eine bessere Stimmung. Das Besondere am Tanz ist, dass sich dort jede Frau zu Hause fühlen kann. Es sollte keinem bestimmten Schönheitsideal nachgeeifert werden. Tanzen hilft jeder Frau, sich in ihrem eigenen Körper wieder zu finden oder ihn zu entdecken.  Ein neues Körpergefühl wird aufgebaut und das Wohlbefinden gesteigert. Im Tanzen kann Lebensfreude entdeckt und gestärkt werden.

Präventive Wirkung
Besondere Bedeutung hat der Tanz in der Prävention. Fängt man frühzeitig an auf seinen Körper zu hören und sich zu sensibilisieren, ist die Wahrscheinlichkeit geringer einem Leiden zu erliegen. Die Stärkung und Lockerung der Muskulatur lässt Verspannungen und den damit verbunden Schmerz gar nicht erst aufkommen. Ebenso wichtig ist die Körperhaltung, denn eine gute Körperhaltung ist das A und O für einen funktionierenden Bewegungsapparat. Nicht zuletzt leistet man einen Beitrag zur eigenen Fitness und schult die Koordination, so dass die Bewegungen auch im Alltag fließender und ökonomischer ausgeführt werden können. Die positive psychische Wirkung von Tanz muss jeder selbst erfahren.

Tanz als Lebensgefühl
Ranke_6Der Tanz birgt also unterschiedliche Aspekte im Hinblick auf die Gesundheit. Wie jedoch die Ausprägungen sind, ist immer eine Frage, wie der Tanz betrieben wird und wie der Unterricht gestaltet ist. Bei all diesen Punkten sollte man jedoch nie vergessen, dass Tanzen eine Kunst ist. Und zwar eine Kunst, die positive Effekte auf den Körper haben kann. Auf jeden Fall lernt man sich müheloser, harmonischer und mit größerer Leichtigkeit zu bewegen. Tanzen ist eine Kräftigung und Mobilisierung von Körper und Geist. Tanzen ist ein Lebensgefühl.

 

 


Über die Autorin
Warda, Rosa DibowskiRosa Dibowski hat langjährige Unterrichtserfahrung im Orientalischen Tanz und Bollywood Tanz. Regelmäßige Fortbildungen zu den verschiedenen Themen des Tanzes vervollständigen ihr Wissen. Durch Ausbildung im Bereich der Rückenschule und Fitnesssport kann sie ihren Unterricht optimal gestalten. Das Studium der Sportwissenschaften mit dem Schwerpunkt Sportmedizin und Tanz eröffnen ihr andere Gebiete rund um die Bewegung, die sie fachgerecht in ihrem Unterricht nutzen kann.