Fusionstänze

Bollywood Tanz

Bollywood Tanz ist der Tanz aus den populären indischen Filmen. Wie der Name Bollywood ist auch der Tanz eine Mischung aus Traditionellem und Neuem. Im Bollywood-Tanz findet man Elemente aus dem klassisch-indischen Tanz, Orientalischen Tanz, Salsa, Mambo, Ballett und modernen Tanzformen wie Hip Hop und Jazz Dance. MTV spielt bei den Tanzszenen keine unbedeutende Rolle. Da Hollywood der Maßstab für indische Filme ist, kann sich wohl jeder vorstellen, dass der Blick der Choreographen von MTV nicht ganz abweichen kann.

In einem Film müssen im Durchschnitt fünf bis sechs Tanzszenen enthalten sein, sonst fühlt sich das indische Publikum betrogen. Die Tendenzen zu einem Musical sind also gegeben.

Der Tanz in Indien hat eine lange Tradition und ist ein fester Bestandteil beim Erzählen einer Geschichte. Schon in den alten Sanskrit-Theatern gehörte Musik und Tanz dazu. Diese Tradition wird im indischen Film fortgesetzt.  Wie sieht nun aber dieser Tanz aus?

Der klassische indische Tanz hat eine stark religiöse Bedeutung. Das höchste Ziel einer Tänzerin war die spirituelle Vereinigung mit dem Göttlichen. Beinahe jede Bewegung, jeder Blick, jede Geste hat eine eigene Bedeutung. Der Tanz in Indien hat unterschiedliche Stadien des Ansehens durchlaufen. Nachdem er Anfang des letzten Jahrhunderts den schlechten Beigeschmack der Prostitution hatte, genießt er heutzutage wieder höheres Ansehen. Es gibt viele Kinder, die den klassischen indischen Tanz in Indien lernen. Viele der Schauspielerinnen weisen eine Ausbildung im klassischen indischen Tanz vor (z.B. Madhurit Dixit, Rekha).

Die Zensur im indischen Film ist sehr streng. Alles was also nicht gezeigt werden kann, so z.B. Kussszenen oder noch unanständigeres wird oft durch den Tanz kompensiert. So kann man bildhübsche Frauen bewundern, die im nassen Sari zu tanzen beginnen… (dazu muss man nun nichts mehr sagen). Herbert Krill vom Arte-tv schreibt dazu: „Tänze und Gesänge voller Melancholie, Traurigkeit, Verzweiflung, erotischer Verzückung oder Glückseligkeit werden zu einer kodierten Sprache, einem Vektor der Emotionen, einem Substitut für den Liebesakt“. Dies ist die eine Seite der Tänze. Keine Seltenheit sind aber auch fetzige, mitreißende Tanzszenen, bei denen einfach die Lebensfreude zu Tage kommt.

Rajasthani (Trio Noaem)Nicht nur Frauen tanzen, auch die Männer zeigen ihr Bestes. Alle möglichen Personen in einem Film können eine Sing- und/oder Tanzszene bekommen. Der Verrückte im Dorf, der Opa, das kleine Mädchen, der Polizist und die böse Schwiegermutter. Dabei müssen diese Szenen nicht unbedingt in den Handlungsverlauf eingebaut sein; wenn sie auch zumeist die Handlung kommentieren. Ortswechsel sind dabei keine Seltenheit. So spielen  die Szenen mal zwischen den Bergblumen (die Bergkulisse scheint besonders exotisch und romantisch zu sein) oder auf Autos oder in prachtvollen Villen.

Das Tanzpaar (darum dreht es sich meist) ist manchmal alleine, oft jedoch mit vielen, vielen BackroundtänzernInnen. Die Kostüme der Tänzer können innerhalb eines Liedes bis zu vier- bis fünfmal gewechselt werden. Der Tanz gilt als Gestaltungsmittel, der die Gefühle der Zuschauer noch verstärken soll. Demnach ist der Aufwand für eine Tanzszene oft enorm. Bei dem Film Hum Dil Se Chuk Sanam wirken zum Beispiel 200 Tänzer und Tänzerinnen mit.

Enorm aber ist die Geschwindigkeit der Tänze. Dies wird durch die häufigen Schnitte auch noch verstärkt. Hat man eine Bewegung erkannt, kommt (meistens viel zu früh) schon die nächste. Wir  sind froh, dass es die slow-motion Funktion bei DVD-Playern gibt. Beim Ausarbeiten einer Choreographie stoßen wir oft an unsere Toleranzgrenze, obwohl ich mir die Musik um mind. 10% verlangsamt habe. Aber wenn der Tanz dann erstmal steht, ist es einfach wunderbar. Und die Musik lädt einfach zum Tanzen ein. Mitreißend, …

Bolywood Tanz (Trio Noaem)