Ägyptische Tänze

Raks Sharki

Der Raqs Sharki entwickelte sich in den 20er Jahren des 20. Jhd. in Kairo aus dem Raqs Baladi. Bedeutend für diese Entwicklung war die libanesische Tänzerin Badia Masabni, die das erste Kabarett Ägyptens, die Casino Opera eröffnete.

_P4Y3121Hier wurde neben Gesang, Theater und Kleinkunst auch Orientalischer Tanz aufgeführt. Zunächst vor allem als Gruppenshowtanz, der jedoch schon dadurch an Spielraum erhielt, dass er auf einer großen Bühne aufgeführt wurde und den Tänzerinnen eine raumgreifendere Arbeit erlaubte als der auf kleinem Raum aufgeführte Baladi. Badia Masabni entwickelte außerdem den Tanzstil weiter, sie ließ einerseits Ballettelemente wie Drehungen und Arabesquen und die Bewegung auf dem Ballen in den Tanz einfließen, übernahm andererseits aber auch die fließenden Armbewegungen und die Rückbeugen des türkischen Tanzes. Die Hüftarbeit blieb jedoch weitgehend dieselbe wie beim Raqs Baladi, wenn sie auch dezenter und verfeinert dargeboten wurde. Außerdem ist der Sharki im Gegensatz zum improvisiert getanzten Baladi ein choreographierter Tanz.

Auch die Kostüme veränderten sich, man tanzte nicht mehr in einer Galabiya, sondern trug zweiteilige, pailettenbestickte Kleider, die den heutigen Bauchtanzkostümen im Prinzip recht ähnlich sind. Neben den Gruppentänzen taten sich auch bald die ersten Solotänzerinnen hervor, Tahia Carioca und Samia Gamal sind wohl die berühmtesten Tänzerinnen, die aus der Casino Opera hervorgingen. Sie waren in den 30er die ersten Stars des Raqs Sharki und hatten beide ihren unverkennbaren Tanzstil, der zur Weiterentwicklung des Tanzes beitrug. Ebenfalls eine Berühmtheit war die unvergessene Naima Akef, die ihre Karriere zwar nicht in der Casino Opera startete, aber trotzdem zu den großen Persönlichkeiten des Tanzes gehört. In den 40er und 50er Jahren wurde der Sharki für das neue Medium des Filmes entdeckt. Angelehnt an amerikanische Revuefilme (auch wir kennen ja die deutschen Adaptionen mit Marika Röck) entstanden die ägyptischen Tanz - und Musikfilme. Auch Tahia Carioca, Samia Gamal und Naima Akef waren in zahlreichen dieser Filme zu sehen.

Bekannte Musiker und Komponisten dieser Epoche waren neben der berühmten Oum Koulthoum der Komponist Mohammed Abdel Wahab und der Sänger und Komponist Farid Al Atrach, der sowohl der Film- als auch der Lebenspartner von Samia Gamal war. In den Revuefilmen wurde der Raqs Sharki in einer sehr showbetonten, auf das Medium Film abgestimmten Form vorgetragen, die Tanzsequenzen sind relativ kurz und es gibt immer wieder große Massenszenen, in denen die Solotänzerin vor einer riesiRaks Sharki (Sahira)gen Gruppe von Backgroundtänzerinnen auftritt. Interessant ist auch, dass die damaligen Tänzerinnen alle Schuhe mit hohen Absätzen trugen, was wohl ihren westlichen Schick betonen sollte. Erst relativ spät kam es in Mode barfuss zu tanzen. So erhielt Suheir Saki auch den Beinamen die "barfüßige Tänzerin", weil sie eine der ersten war, die sich wieder auf diese Tradition des Baladi zurück besann.

In der Zeit der Tanzfilme wurde der Raqs Sharki auch in anderen orientalischen Ländern übernommen, wie in der Türkei und im Libanon. Zunächst war der Tanz in den verschiedenen Ländern recht ähnlich, mit der Zeit entwickelten sich aber landesspezifische Unterschiede. Die Tänzerin Nadia Gamal entwickelte den libanesischen Stil, indem sie Bewegungen der landestypischen Folklore einbezog und auch in der Türkei erhielt der Raqs Skarki durch den Einfluss der türkischen Zigeunertänze ein eigenes Gesicht. Die bekannteste türkische Tänzerin ist Nesrin Topkapi, die zwar nicht mehr aktiv tanzt, aber immer noch ein Tanzstudio in Istanbul betreibt.

Als die Zeit der großen Tanzfilme vorbei war, fand der Raqs Sharki in Ägypten wieder seinen Weg zurück auf die Bühnen der Kabaretts und Nachtclubs der großen Hotels. Hier entwickelten sich die großen Solotanzshows, die bis zu einer halben Stunde lang sein können und so der Tänzerin die Möglichkeit geben, alle Facetten ihres Könnens vorzustellen. In diesen Shows gehörten meist auch Folklore und Baladiparts dazu, während andererseits immer wieder neue Einflüsse aus westlichen Tänzen verarbeitet wurden. Die 70er und 80er Jahre waren von zwei großen Solotänzerinnen geprägt, Nagua Fouad und Suheir Saki. Letztere tanzte den Raqs Sharki in traditioneller Form, während Nagua Fouad immer wieder neue, westliche Elemente mit Raks Sharki verband. Beide Tänzerinnen waren im gesamten arabischen Raum berühmt und hinterließen ihre Spuren in der Entwicklung des Tanzes. Auch heute gibt es sie noch in Ägypten, die großen Tanzstars. Dina, die immer wieder westliche Bewegungen des Modern Dance in ihren Shows verarbeitet, Lucy, die momentan beste Baladitänzerin (zumindest nach Meinung von Doktor Hassan Khalil) und Fifi Abdou, die zur Zeit berühmteste, arabische Tänzerin, die für einen traditionelle Raqs Sharki Stil steht.
Raks Sharki (Warda)