Ägyptische Tänze

Balady

Das Wort Baladi leitet sich vom arabischen Wort Balad für Land ab, es bedeutete somit etwas wie ländlich, volkstümlich, beschreibt aber auch das Lebensgefühl und die Traditionen der Menschen. Man kann Baladi aber auch im negativen Sinn benutzen, dann bedeutet es ohne Schliff, primitiv.

Baladi (Sahira)Als Tanz und Musikstil ist Baladi urbanisierte Folklore. Kairo als ständig wachsende Millionenstadt nahm und nimmt auch immer noch Einwanderer aus ganz Ägypten auf. Oft siedelten die Menschen aus einer Region sich wieder in einem gemeinsamen Stadtviertel an. So entstand eine sehr interessante soziale Situation, einerseits ist Kairo eine aus allen Nähten platzende Millionenstadt, andererseits bestehen die dörflichen Gemeinschaften weiter, Kairo ist also eine Stadt aus tausenden von Dörfern.

Der Baladi spiegelt diese Situation wieder, einerseits hat er weiterhin einen ländlichen, tugendhaften Charakter, mit dem sich das einfache Volk identifizieren kann, andererseits entwickelte sich der Tanz durch den Austausch der verschiedenen Einwanderer untereinander und dem Flair der Großstadt weiter und erhielt mehr städtische Raffinesse. Außerdem ist der Baladi im Gegensatz zur "normalen Folklore" ein Solotanz. Er wurde auch auf Familienfesten getanzt, wenn die Frauen unter sich waren, um sich gegenseitig zu unterhalten. Deswegen ist der improvisierte Charakter des Baladi von großer Bedeutung, durch den die Tänzerin Stimmung und Emotionen der Musik tänzerisch interpretiert. Auch im Kostüm einer professionellen Baladi Tänzerin erkennen wir die ländliche und die städtische Komponente des Tanzes. Es ist einer einfachen Galabiya, der traditionellen durchgängigen Kleidung der Männer und Frauen auf dem Land nachgeahmt, wird aber durch Pailetten, Perlen und Stickereien aufgepeppt.

Traditionell waren es vor allem die Awalim, die den Baladi öffentlich tanzten. Sie waren ursprünglich gebildete Künstlerinnen, die in den Harems der Reichen mit Gesang, Poesie und teilweise auch Tanz auftraten. Durch die sich verändernde gesellschaftliche Situation im 19. und 20. Jhd. wurden sie jedoch zu Unterhalterinnen des einfachen Volkes und büßten an Ansehen ein. Auch heute gibt es noch einige, wenige Awalim, die auf Familienfesten und religiösen Feiern auftreten. Ihr Programm beinhaltet neben tänzerischen und artistischen Einlagen auch an sexuelle Initiationsriten erinnernde Bodenteile und verbale Stehgreifeinlagen. Der Baladi wird meist auf flachem Fuß getanzt und zeichnet sich durch stark körperzentrierte, kraftvolle Hüft- und Bauchbewegungen aus. Er ist nur wenig raumgreifend und mehr als einige Schritte entfernt sich die Tänzerin kaum vom Platz. Arme und Hände sind ebenfalls nicht von großer Bedeutung und werden meist nur neben dem Körper angehoben. Neben der binnenkörperlichen Arbeit sind vor allem Bewegungen wie der Hüftschwung, der Hüfthebeschritt und die Baladywelle Charakteristika dieses Tanzes. Der Raqs Baladi gilt außerdem als Grundlage für den Raqs Sharki, in dem die Tanztechnik aufgenommen und erweitert wurde. Außerdem enthält fast jede Sharki Tanzroutine einen Baladiteil. Variationen des Baladi sind der Kairo Melaya Lef und der Raqs Baladi (Warda)al Shamadan (Leuchtertanz), in dem noch die artistischen Bodenteile der Awalim erhalten sind.